Normandie – Mont-Saint-Michel und D-Day-Landungsstrände
Inhalt
Anreise | Mont-Saint-Michel | Bayeux | Heimreise
Anreise
Am Mittwoch, dem 8. April 2026, hatte ich um kurz nach 12:00 Uhr Feierabend und danach vier Tage frei. Ich entschied mich dazu, einen Kurztrip in die Normandie zu machen. Um 13:57 Uhr fuhr ich mit dem IC 3 von Sargans nach Zürich und dann mit dem TGV weiter nach Paris Gare de Lyon, wo ich um 19:38 Uhr ankam. Mit der Metrolinie 14 fuhr ich nur eine Station weiter bis zur Haltestelle Bercy, wo ich auf die Linie 6 umstieg und weiterfuhr bis zur Haltestelle Montparnasse-Bienvenüe. Hier befindet sich der Bahnhof Paris-Montparnasse, von dem am nächsten Morgen mein Zug nach Pontorson-Mont-St-Michel abfuhr. Ganz in der Nähe des Bahnhofs checkte ich im «Hotel de Paris Montparnasse» ein.
Mont-Saint-Michel
Tag 2 – Fahrt von Paris zum Mont-Saint-Michel
Am nächsten Morgen checkte ich aus dem Hotel aus und lief zum Bahnhof Paris-Montparnasse. Von dort fuhr ich um 07:32 Uhr mit dem Zug «NOMAD 3451» nach Pontorson-Mont-St-Michel. Um 11:21 Uhr kam ich dort nach knapp vier Stunden Fahrt pünktlich an. Pontorson-Mont-St-Michel war der Endbahnhof dieses Zuges. Der Bahnhof liegt etwa zehn Kilometer südlich der ehemaligen Abtei Mont-Saint-Michel. Um 11:40 Uhr nahm ich den nächsten Bus Richtung Mont-Saint-Michel, allerdings stieg ich nicht bei der letzten Haltestelle direkt am Mont-Saint-Michel aus, sondern bei der vorletzten Haltestelle «Route-du-Mont». Diese Haltestelle befindet sich etwa zwei Kilometer südlich beim «Barrage du Mont-Saint-Michel».
Tag 2 – Mont-Saint-Michel
In der Nähe der Mündung des Flusses Couesnon befindet sich nur einige hundert Meter vor der Küste die Insel Mont-Saint-Michel. Die Insel gehört zur Gemeinde Le Mont-Saint-Michel. Sie hat einen Umfang von nur etwa 830 m und eine Fläche von etwa 55’000 m². Auf der Insel leben ca. 23 Einwohner. Bekannt ist der Ort für die ehemalige Abtei Mont-Saint-Michel. Die Bucht, die Insel und die zugehörige Abtei sind seit 1979 eine von der UNESCO gelistete Welterbestätte. Mont-Saint-Michel befindet sich in der Normandie, nur wenige Kilometer von der Grenze zur Bretagne entfernt.
Bevor im 10. Jahrhundert der erste Sakralbau auf der Insel gebaut wurde, hiess die Insel Mont-Tombe (Grabesberg), möglicherweise aufgrund der Form des Berges, die wie ein Grab aussieht. Erst nach dem Bau des Klosters, das dem heiligen Michael geweiht wurde, erhielt die Insel ihren heutigen Namen. Im Jahr 1789 wurde die Abtei während der Französischen Revolution aufgelöst und bis 1863 als Gefängnis benutzt. Heute gibt es wieder Mönche und Nonnen, die dort Gottesdienste feiern. Da das Gebäude heute dem französischen Staat gehört und es keinen Abt mehr gibt, ist der Status als «offizielle Abtei» kompliziert und es wird z.B. auf Wikipedia als «ehemalige Abtei» bezeichnet.
Heute hat sich Mont-Saint-Michel zu einer der meistbesuchten Wallfahrtsstätten Frankreichs entwickelt. Ursprünglich war die Insel nur bei Niedrigwasser zu erreichen. Seit 1879 verband ein fester Damm die Insel mit dem Festland. Um die drohende Versandung der Bucht zu stoppen, wurde dieser jedoch durch eine 2014 fertiggestellte Stelzenbrücke ersetzt, die es dem Meer erlaubt, den Berg bei Flut wieder vollständig zu umspülen.

Um 11:55 Uhr stieg ich an der Haltestelle «Route-du-Mont» aus dem Bus. Ich entschied mich, hier auszusteigen, weil ich mich dem Mont-Saint-Michel zu Fuss nähern wollte. Die Gesamtansicht des Mont-Saint-Michel fand ich persönlich nämlich eindrücklicher als die Details, die ich später innerhalb der ehemaligen Abtei sah. Als Erstes lief ich auf den nahen «Barrage du Mont-Saint-Michel» oder «Barrage sur le Couesnon». Dieser Staudamm hat die Hauptaufgabe, die Versandung zu stoppen, die durch die Gezeiten und Strömungen dafür gesorgt hätte, dass der Mont-Saint-Michel in einigen Jahren komplett im Grünen gestanden hätte. Der Staudamm ist auch als Aussichtsplattform auf den Mont-Saint-Michel konzipiert, sodass ich hier gleich meine ersten Fotos machen konnte.
Ich lief dann über die 2014 eröffnete und etwa zwei Kilometer lange Stelzenbrücke zum Mont-Saint-Michel. Der Weg ist perfekt, um den Mont-Saint-Michel aus verschiedenen Entfernungen und Perspektiven zu sehen. Als ich ankam, stieg ich die Treppenstufen über die Stadtmauern hinauf bis zur ehemaligen Abtei. Das Eintrittsticket in die Abtei hatte ich bereits im Voraus gekauft. Danach lief ich einen etwas anderen Weg wieder hinunter bis zum Eingang und kaufte unterwegs noch einige Souvenirs. Später fuhr ich mit dem kostenlosen Shuttlebus zurück nach «Route-du-Mont». Dort ass ich im «Brioche Dorée» ein Sandwich mit Schinken und Emmentaler Käse, das sehr gut geschmeckt hat.
Mont-Saint-Michel
Abbey of Mont-Saint-Michel
Tag 2 – Fahrt nach Bayeux
Da der nächste Bus zurück zum Bahnhof Pontorson-Mont-St-Michel erst um 17:32 Uhr fuhr, entschied ich mich, zum Bahnhof zurückzulaufen. Für die gut sieben Kilometer lange Strecke brauchte ich etwa eineinhalb Stunden. Eine schöne Wanderung war es nicht, da ich die ganze Strecke einer vielbefahrenen Hauptstrasse entlanggehen musste.

Bevor ich den Bahnhof erreichte, kaufte ich noch ein paar Dinge im «Carrefour Market Pontorson» ein. Um 18:53 Uhr nahm ich den Zug nach Bayeux, wo ich um 21:13 Uhr ankam. Ich checkte im Hotel «Domaine de Bayeux» ein, wo ich für insgesamt drei Nächte blieb. Bayeux war der Ausgangspunkt für meine D-Day-Touren der folgenden beiden Tage.
Bayeux
Ich verbrachte zwei Tage in Bayeux, um mehr über den D-Day und die Landungsstrände der Normandie zu erfahren. Ausserdem wollte ich einige der Schauplätze der zehnteiligen Serie «Band of Brothers» von Tom Hanks und Steven Spielberg besuchen. Die Serie aus dem Jahr 2001, von der ich ein grosser Fan bin, basiert auf dem gleichnamigen Buch des Historikers Stephen E. Ambrose. Sie schildert die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges zwischen 1942 und 1945 aus der Sicht der Soldaten der Easy Company, 2. Bataillon, 506. US-Fallschirmjägerregiment der 101. US-Luftlandedivision der United States Army. Für meine Kurzreise waren vor allem die Episoden 2 («Der erste Tag») und 3 («Carentan: Brennpunkt Normandie») interessant, da diese in der Normandie spielen. Die Serie wurde nicht in der Normandie gedreht, vermutlich da die Schauplätze heute gar nicht mehr so aussehen wie während des Zweiten Weltkrieges.
Ein sehenswerter Film zum Thema ist «Der Soldat James Ryan» von Steven Spielberg aus dem Jahr 1998, der vor allem die Brutalität des Angriffs am Omaha Beach zeigt. Er gilt als die genaueste filmische Umsetzung der Landung am Omaha Beach. Als Vorbereitung habe ich auch noch den Film «Der längste Tag» aus dem Jahr 1962 geschaut. Der Film dauert drei Stunden und gibt einen hervorragenden Überblick über die gesamte Invasion in der Normandie. Er zeigt ausserdem die Operation Tonga, deren Ziel es war, die Bénouville-Brücke und die Ranville-Brücke einzunehmen. Auch der Film «The Big Red One» wurde mir zum Thema empfohlen. Diesen konnte ich allerdings aus Zeitgründen vor dem Kurztrip nicht mehr schauen. Das werde ich aber ganz sicher nachholen.
Der 6. Juni 1944 ist allgemein als D-Day bekannt. An diesem Tag begann die Invasion alliierter Truppen in der Normandie im Zweiten Weltkrieg. Die Operation Overlord war der Deckname für die gesamte alliierte Invasion im deutsch besetzten Nordwesteuropa während des Zweiten Weltkriegs. Sie markierte die Eröffnung einer massiven zweiten Front gegen Nazi-Deutschland. Ziel der Operation Overlord war die Befreiung Westeuropas von der Herrschaft des nationalsozialistischen Deutschlands. Ein übergeordnetes Ziel war die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
Ich entschied mich dafür, an zwei Tagestouren von Overlordtour teilzunehmen. Genauer gesagt hatte ich die «British / Canadian Sectors Tour» für den 10. April und die «Omaha / Band of Brothers Tour» für den 11. April gebucht. Die Guides Antoine und Guillaume waren ausgezeichnet. Nicht nur wussten sie unglaublich viele spannende Geschichten zu erzählen, auch war es sehr angenehm, ihnen zuzuhören. Die Touren waren ausserdem hervorragend organisiert. Auf keine andere Art hätte ich so viele verschiedene Schauplätze an nur zwei Tagen besuchen können.
TOUR #4 British / Canadian Sectors Tour
TOUR #3 Omaha / Band of Brothers
Tag 3 – Pegasusbrücke
Der Treffpunkt für die heutige erste Tour war im Zentrum von Bayeux am Place du Québec, nur etwa fünf Minuten vom Hotel entfernt. Wir trafen uns um 08:20 Uhr mit unserem Guide Antoine. Die Tour fokussierte sich auf die Landungsstrände der Briten (Sword und Gold Beach) sowie der Kanadier (Juno Beach). Zuerst fuhren wir aber zur Pegasusbrücke bei Bénouville. Die Brücke über den Caen-Kanal (Canal de Caen à la mer) hiess vor dem Krieg Bénouville-Brücke. Nach dem Krieg wurde die Brücke umbenannt in «Pegasusbrücke» zu Ehren der 6. Luftlandedivision unter dem Befehl von Major John Howard. Diese Einheit trug ein geflügeltes Pferd auf dem Schulterstück ihrer Uniform. Aufgrund einer Erweiterung des Kanals musste die Brücke 1994 erneuert werden. Um den Originaleindruck zu bewahren, baute man eine vergrösserte Kopie der Pegasusbrücke. Die Originalbrücke kann im wenige Meter entfernten Museum «Memorial Pegasus» bewundert werden.

Die Eroberung der beiden Brücken über den Caen-Kanal und die Orne wird heute oft fälschlicherweise als «Operation Deadstick» bezeichnet. Tatsächlich war dies jedoch der Name der harten Übungsmanöver im Vorfeld. Die echte Operation in jener Nacht wurde offiziell als «Coup de Main» geführt – doch der Name Deadstick blieb als Synonym für diese fliegerische Meisterleistung haften. Die Eroberung der beiden Brücken war ausserdem ein Teil der Operation Tonga. Im Rahmen der grossangelegten Operation Tonga kämpften tausende weitere britische Fallschirmjäger an anderen Abschnitten der Ostflanke. Sie kämpften etwa bei der Batterie von Merville oder den Brücken über den Fluss Dives, um den Invasionsraum nach aussen hin abzuschirmen.
In der Nacht zum 6. Juni 1944 leitete die 6. Luftlandedivision eine der kühnsten Missionen des D-Day ein: den Handstreich gegen die Brücken über den Caen-Kanal und die Orne. Unter dem Kommando von Major John Howard starteten sechs Lastensegler vom Typ Airspeed Horsa, die jeweils rund 30 Soldaten und schwere Ausrüstung lautlos an ihre Ziele tragen sollten. Es war eine der allerersten alliierten Aktionen der Invasion, noch Stunden bevor die gewaltige Flotte die Küste erreichte.
Die Piloten vollbrachten dabei eine fantastische fliegerische Leistung, als sie die hölzernen Gleiter in völliger Dunkelheit und ohne Motorkraft punktgenau in unmittelbarer Nähe der Brücken landeten. Drei dieser Gleiter setzten so nah an der heutigen Pegasusbrücke auf, dass die Soldaten den Feind sofort überrumpeln konnten. Innerhalb von nur etwa zehn Minuten waren beide Übergänge baulich unversehrt in britischer Hand. Doch dieser präzise Erfolg forderte bereits in den ersten Augenblicken einen hohen Preis.
Howards Gleiter landete als Erster gegen 0:16 Uhr nur rund 60 Meter südöstlich der Pegasusbrücke. Im gleichen Flugzeug sass auch Lieutenant Den Brotheridge. Brotheridge gilt als der erste alliierte Soldat, der am D-Day durch feindliches Feuer fiel. Als er seinen Zug über die Pegasusbrücke führte, wurde er durch einen Nackenschuss tödlich verwundet. Sehr zeitnah ertrank Lance Corporal Fred Greenhalgh, nachdem Gleiter Nr. 3 bei der Landung um 0:18 Uhr zerbrach und in einen Teich schlitterte.

Das Ziel der Soldaten um John Howard war nicht nur die Eroberung der beiden Brücken, sondern auch die Verteidigung dieser bis zum Eintreffen von Verstärkung. Die erste Entlastung erfolgte mit dem Eintreffen des 7th Parachute Battalion etwa zwei bis drei Stunden nach der Landung der Gleiter. Diese waren mit dem Fallschirm in der Nähe abgesprungen und kämpften sich zu den Brücken durch. Die eigentliche Verstärkung, die am Morgen am Sword Beach gelandet war und auf die alle warteten, traf um etwa 13:00 Uhr ein. Die Ankunft der 1. Special Service Brigade unter Lord Lovat (Simon Christopher Joseph Fraser) ist legendär. Sie marschierten unter den Klängen des Dudelsackspielers Bill Millin über die Brücke. John Howard und seine Männer mussten also rund 13 Stunden durchhalten. Besonders kritisch war die Phase um 02:00 Uhr morgens, als die ersten deutschen Panzer auftauchten (vermutlich Panzer IV der 21. Panzerdivision). Sergeant Charles «Wagger» Thornton gelang es mit einem Glückstreffer, den vordersten deutschen Panzer auszuschalten. Das Wrack blockierte in der Folge die Strasse, sodass die anderen deutschen Panzer den Angriff abbrechen mussten.
Obwohl die Operation als eines der wenigen Manöver des D-Day nach Plan verlief, erwies sich der strategische Nutzen der Brücken bald als begrenzt. Da die historische Bausubstanz das immense Gewicht der schweren alliierten Panzer kaum tragen konnte, entstanden schnell Engpässe für den nachrückenden Nachschub. Um den Vormarsch nicht zu gefährden, mussten britische Pioniere bereits kurz nach der Eroberung zusätzliche Behelfsbrücken – sogenannte Bailey-Brücken – errichten.
Nach dem Besuch der Pegasusbrücke hatten wir 45 min Zeit im Museum «Memorial Pegasus». Die Highlights dieses Museums sind die Original-Pegasusbrücke, ein Nachbau des originalen Horsa-Gleiters (Airspeed AS.51 Horsa) oder ein britischer Centaur Tank MK IV. Im Souvenirshop kaufte ich mir ein paar Broschüren und ein Buch über das Thema «D-Day-Landungsstrände».
Tag 3 – Ranville
Nachdem wir das Museum verlassen hatten, überquerten wir die Horsabrücke, das zweite strategische Ziel jener Nacht, die vor ihrer Umbenennung nach dem Zweiten Weltkrieg als Ornebrücke bekannt war. Nur wenige Minuten Fahrt trennten uns jetzt von Ranville, dem ersten befreiten Dorf Frankreichs, wo die Stille des Friedhofs einen scharfen Kontrast zum Lärm der Geschichte an den Brücken bildet.

Viele der auf dem Friedhof bestatteten Gefallenen waren Soldaten der britischen 6. Luftlandedivision. Neben dem Soldatenfriedhof befindet sich der kleine Kirchenfriedhof, auf dem die ersten am D-Day gefallenen Soldaten beerdigt wurden. Einer davon ist Lieutenant Den Brotheridge, dessen Grab ich fotografieren konnte.
Neben dem Friedhof konnten wir auch die Kirche betreten. Unser Guide ging auf die Geschichte ein und sogar auf viele Einzelschicksale der hier begrabenen Soldaten. Als Nächstes fuhren wir nach Ouistreham zur «Boulangerie Emilie et Nicolas CLATOT», wo ich ein Sandwich ass und ein zweites für das Abendessen kaufte. Zu diesem Zeitpunkt war es schwer vorstellbar, dass wir unser ehrgeiziges Tagesprogramm schaffen können, da wir erst zwei Orte besucht hatten und es schon Mittag war. Aber da wurde ich später eines Besseren belehrt.
Tag 3 – Sword Beach: Atlantikwall-Museum und Monument La Flamme
Nach dem Mittagessen fuhren wir Richtung Küste, genauer gesagt zum Atlantikwall-Museum («Musée du Mur de l’Atlantique») in Ouistreham. Aus Zeitgründen sahen wir uns das Museum nur von aussen an. Das Highlight hier war das britische Landing Craft Assault (LCA) PA30-31. Das Boot ist ein Original, das für den Film «Der Soldat James Ryan» restauriert und als Requisite genutzt wurde. Der Atlantikwall war eine 2’685 km lange Verteidigungslinie entlang der Küsten des Atlantiks, des Ärmelkanals und der Nordsee, von der Nordküste Spaniens bis ins nördlichste Norwegen. Der Atlantikwall war ein unvollendetes Gigantenprojekt und ist nicht als Mauer zu verstehen, sondern eher als eine Reihe von Befestigungsanlagen und Bunkern. Ihr Zweck war die Verteidigung des Deutschen Reiches gegen eine westalliierte Invasion.
Direkt am Sword Beach in Ouistreham stiessen wir auf das beeindruckende Monument La Flamme. Obwohl dieser Küstenabschnitt offiziell zum britischen Sektor gehörte, hat er für Frankreich eine enorme symbolische Bedeutung. Hier landeten am Morgen des 6. Juni die 177 französischen Commandos unter der Führung von Philippe Kieffer.
Diese Männer waren die einzigen französischen Soldaten, die in der ersten Welle vom Meer her landeten. Nach Jahren im Exil in England kämpften sie sich hier, als Teil der britischen Verbände, zurück auf ihren Heimatboden. Ihr Ziel war die Befreiung von Ouistreham und die Zerstörung des stark befestigten Casinos, das von den Deutschen in eine Festung verwandelt worden war. Das Denkmal, dessen Form an eine auflodernde Flamme erinnert, listet die Namen aller 177 Kämpfer auf und steht genau dort, wo sie unter schwerem Feuer den Strand stürmten. Von den 177 Männern wurden am D-Day fast die Hälfte getötet oder verwundet. Aber sie erreichten ihr Ziel und befreiten als erste Franzosen eine französische Stadt vom Meer her.

Hier beim Monument La Flamme schliesst sich auch der Kreis zu den Erlebnissen bei der Pegasusbrücke und dem Atlantikwall-Museum. Neben der Flamme steht eine Statue von Lord Lovat, der mit seinen Commandos, einschliesslich der Franzosen, am Morgen des 6. Juni unter heftigem Feuer aus den Landungsbooten gesprungen war, um sich dann den Weg Richtung Pegasusbrücke zu bahnen. Es wurden die Landungsboote benutzt, von denen ich eines im Atlantikwall-Museum gesehen hatte.
Tag 3 – Sword Beach: Memorial der 3. britischen Infanteriedivision
Einige Kilometer westlich von Ouistreham, in Hermanville-sur-Mer, hielten wir am Denkmal der 3. britischen Infanteriedivision. Diese Division, auch bekannt als die «Iron Division», war die allererste britische Formation, die am D-Day um etwa 07:25 Uhr den Boden des Sektors Sword Beach betrat.
Die Vorbereitungen für die Landung waren ein Meisterwerk der Präzision. Bereits am 4. Juni startete die Operation Gambit: Zwei britische Kleinst-U-Boote (X-20 und X-23) schlichen sich bis auf wenige Kilometer vor die Küste von Sword Beach. Wegen des schlechten Wetters mussten sie dort zwei Tage lang auf dem Meeresgrund ausharren, bevor sie am Morgen des 6. Juni auftauchten, um der herannahenden Flotte mit Lichtsignalen den Weg zu weisen.
Doch noch näher am Geschehen waren die Pioniere direkt am Strand. Eine Gedenktafel in Hermanville-sur-Mer erinnert an diesen riskanten Moment mit dem französischen Text:
«Les pionniers alliés ont mis pied sur cette plage le 5 juin 1944 à 23 heures.»
«Die alliierten Pioniere betraten diesen Strand am 5. Juni 1944 um 23 Uhr.»
Während die U-Boote weit draussen auf dem Meer warteten, betraten diese Männer bereits kurz vor Mitternacht den französischen Boden. Ihre Aufgabe war es, als «menschliche Leuchttürme» die Landezone direkt am Strand zu markieren, damit die erste Welle der Soldaten im Morgengrauen nicht die Orientierung verlor.
Tag 3 – Juno Beach: Maison des Canadiens
Obwohl an der Fassade des Hauses am Juno Beach in Bernières-sur-Mer der etwas sperrige Titel «Maison de The Queen’s Own Rifles of Canada» prangt, ist dies eigentlich eine liebevolle Widmung der Besitzer an die Befreier. Das Haus, das ursprünglich einmal «Maison de la Reine» hiess, wird heute von fast allen nur noch ehrfürchtig das «Maison des Canadiens» oder «Canada House» genannt. Für die Soldaten der ersten Welle war dieses markante Gebäude der erste Anblick von Zivilisation nach dem Chaos im Wasser. Es ist ein Symbol für die Befreiung, das heute noch genauso stolz am Strand steht wie vor 82 Jahren. Es hat die Zeit fast wie durch ein Wunder überdauert. Heute gilt es als das erste Gebäude auf französischem Boden, das am Morgen des 6. Juni 1944 durch eine alliierte Landung vom Meer her befreit wurde.

Während wir vor dem Haus standen und der Geschichte der Queen’s Own Rifles of Canada gedachten, die hier unter schweren Verlusten landeten, öffnete sich uns eine unerwartete Tür. Wir hatten das grosse Privileg, von Nicole Hoffer persönlich ins Innere gebeten zu werden. Seit Jahrzehnten hütet die Familie Hoffer dieses Haus nicht nur als Wohnsitz, sondern als ein lebendiges Denkmal. Im Inneren erwartete uns eine beeindruckende, fast überwältigende Fülle von Erinnerungsstücken: von Uniformen und Medaillen und Geldscheinen mit einer Geschichte bis hin zu privaten Fotografien, die Veteranen und ihre Familien über die Jahre hinweg der Familie Hoffer anvertraut haben. Überall im Haus ist die tiefe Verbundenheit zu Kanada spürbar. Dass Nicole Hoffer das gemeinsame Lebenswerk, das sie über Jahrzehnte mit ihrem verstorbenen Ehemann Hervé aufgebaut hat, heute mit so viel Herzblut fortführt, hat diesen Stopp zu einem emotionalen Höhepunkt unserer Reise gemacht.
Tag 3 – Juno Beach: Monument Signal du D-day und Gare à Vous
Nur wenige Meter vom Canada House entfernt steht das Monument Signal du D-day. Es ist eines von zehn Monumenten, die an den wichtigsten Landungspunkten eine einheitliche Form des Gedenkens schaffen. Die zehn grossen, flammenförmigen Steinmonumente haben oft abweichende Namen, in ihrer Gesamtheit werden sie jedoch bezeichnet als «Monuments signaux du Débarquement» («Signal-Monumente der Landung»). Die Inschrift am Monument in Bernières-sur-Mer auf Französisch und Englisch lautet:
«Ici, le 6 juin 1944, l’héroïsme des forces alliées libère l’Europe.»
«Here on the 6th of June, 1944, Europe was liberated by the heroism of the Allied forces.»

Gleich um die Ecke fällt ein anderes Gebäude auf, das heute ein Blumenladen ist. Auf dem Gebäude stehen die Buchstaben «Gare à Vous». Dabei handelt es sich um ein Wortspiel. «Gare» bedeutet Bahnhof, «Gare à Vous» bedeutet aber auch «Vorsicht!». Obwohl hier heute keine Gleise mehr zu finden sind, handelt es sich tatsächlich um den alten Bahnhof von Bernières-sur-Mer.
Tag 3 – Juno Beach: Juno Beach Centre
Wir fuhren als Nächstes zum nahegelegenen Juno Beach Centre in Courseulles-sur-Mer. Das Museum an diesem Ort besuchten wir nicht, aber unser Guide empfahl uns den Bücherladen, der einer der besten der Region sei, wenn es um Bücher über das Thema D-Day gehe.
Tag 3 – Château de Creullet
Das Château de Creullet ist ein Ort, den man ohne Tourguide schnell übersieht. Es steht nicht direkt an der Küste, sondern einige Kilometer im Landesinneren in der Gemeinde Creully sur Seulles. Bereits zwei Tage nach dem D-Day, am 8. Juni 1944, richtete Bernard Montgomery, Oberbefehlshaber aller alliierten Bodentruppen, hier das Hauptquartier der Landungstruppen ein und koordinierte von dort aus alle Operationen der Schlacht um die Normandie. Das Château de Creullet lag strategisch sehr klug an der Grenze des britischen und kanadischen Sektors, was diesen unscheinbaren Ort zum Dreh- und Angelpunkt des Sommers 1944 machte. Montgomery schlief aus Angst vor Attentaten oder Bombardierungen nicht im Schloss selbst, sondern in seinem berühmten Wohnwagen, den er im Park des Schlosses unter den Bäumen versteckt hatte.
Montgomery war in diesem Moment der Mann, bei dem alle Fäden am Boden zusammenliefen. Am 12. Juni empfing er Winston Churchill, Premierminister des britischen Königreichs. Er besichtigte Montgomerys Wohnwagen und besprach den Fortgang der alliierten Invasion. Am 14. Juni wurde er vom französischen General Charles de Gaulle besucht, am 15. Juni von General Dwight D. Eisenhower. Schliesslich durchschritt am 16. Juni König Georg VI. die Tore von Creullet, um sich mit Montgomery zu beraten.

Das Château de Creullet sollte nicht mit dem Schloss Creully verwechselt werden, das sich nur wenige hundert Meter entfernt befindet. Das Château de Creullet, das wir besuchten, befindet sich heute auf einem Privatgrundstück, sodass wir Fotos nur von der Strasse aus machen durften. Unser Guide zeigte uns ein Werk des Grundstücksbesitzers, das die Geschichte von Creully während des Zweiten Weltkrieges aufzeigt. Einerseits bewahrt der Besitzer die Geschichte akribisch auf und schreibt darüber, andererseits gilt er als sehr eigenwillig und lässt kaum jemanden auf das Gelände, um die historischen Orte zu sehen. Vielleicht geniesst er deshalb unter den lokalen Guides einen schwierigen Ruf.
Tag 3 – Memorial «Green Howards D-Day»
Unser nächstes Ziel war das Green Howards Memorial in Crépon. Wir machten hier nur einen kurzen Stopp. Die Green Howards waren eines der berühmtesten Infanterieregimente der britischen Armee. Das Monument ehrt das Regiment, das am Gold Beach landete, und insbesondere Stanley Hollis – den einzigen Soldaten, dem für seine Taten am D-Day das Victoria-Kreuz, die höchste Tapferkeitsauszeichnung des Commonwealth, verliehen wurde.

Tag 3 – Gold Beach: Widerstandsnest 37 (Wn37)
Wir fuhren zurück an die Küste nach Asnelles und machten einen Halt beim Widerstandsnest 37 (Wn37), einem Betonkoloss und Teil des Atlantikwalls. Das Geschütz des Bunkers ist nicht zum Meer, sondern parallel zum Strand ausgerichtet. Auf der dem Meer zugewandten Seite ist der Bunker durch eine dicke Betonmauer geschützt. Diese Bauweise machte ihn für die alliierten Schiffe fast unsichtbar, während er für die am Strand laufenden Infanteristen zur tödlichen Falle wurde. Dies verdeutlicht die deutsche Verteidigungsstrategie des sogenannten Flankierungsfeuers (Crossfire). Ein Geschütz, das zur Seite schiesst, ist vom Meer aus kaum zu treffen, kann aber den gesamten Strandabschnitt auf der Seite unter Feuer nehmen. Die Verteidigung wird nahezu perfekt, wenn mehrere dieser Bunker so positioniert werden, dass sich ihre Schusslinien überschneiden. Der Bunker Wn37, der mit einer 8,8-cm-Kanone bestückt war, konnte am D-Day schliesslich erst von der Landseite mit Panzerunterstützung ausgeschaltet werden.
Tag 3 – Gold Beach: Die künstlichen Mulberry-Häfen
Zum Abschluss des Tages erreichten wir die Bucht von Arromanches. Hier liegen noch heute die gewaltigen Beton-Überreste des künstlichen Hafens von Arromanches, der im Rahmen der Operation Mulberry nach dem D-Day gebaut wurde. Weil es keine Tiefwasserhäfen gab, entschieden sich die Alliierten, die Häfen gleich selbst zu bauen, was als eine der grössten Ingenieursleistungen des Krieges gilt. Eigentlich gab es zwei dieser künstlichen Häfen, Mulberry A am Omaha Beach und Mulberry B in Arromanches, doch ein verheerender Sturm zerstörte vom 19. bis 22. Juni den amerikanischen Hafen am Omaha Beach nur zwei Wochen nach der Landung. Der Hafen von Arromanches hingegen hielt stand und wurde zum lebenswichtigen Nadelöhr, durch das Millionen Tonnen Nachschub nach Europa gelangten. Wenn man heute bei Ebbe die riesigen «Phoenix»-Senkkästen im Sand liegen sieht, bekommt man eine Ahnung von der schieren Grösse dieses Vorhabens.

Um 18:00 Uhr endete die eindrückliche Tagestour im Zentrum von Bayeux, wo sie am Morgen startete.
Tag 4 – Omaha Beach: Omaha Beach Memorial und Les Braves Monument
Am nächsten Morgen trafen wir uns wieder um die gleiche Zeit am gleichen Ort, also um 08:20 Uhr am Place du Québec in Bayeux. Unser Guide heute hiess Guillaume. Der Fokus der Tour waren der amerikanische Sektor Omaha Beach am Morgen und Schauplätze der Serie «Band of Brothers» am Nachmittag. Wir fuhren als Erstes zum «Omaha Beach Memorial» oder «Monument Signal d’Omaha Beach» in Saint-Laurent-sur-Mer. Es ist eines der zehn bereits erwähnten Monumente, von denen ich eines am Vortag in Bernières-sur-Mer gesehen hatte. Die beiden Steinmonumente haben eine ähnliche Form, die Inschrift am «Omaha Beach Memorial» ist aber ein klein wenig anders:
«Les forces alliées débarquent sur cette plage qu’elles nomment Omaha Beach et libèrent l’Europe – 6 juin 1944»
«The allied forces landing on this shore, which they call Omaha Beach, liberated Europe – June 6th, 1944.»
Direkt hinter dem Steinmonument steht auf dem Sand das Kunstwerk «Les Braves» (Die Tapferen) von der französischen Künstlerin Anilore Banon. Das Monument wurde zum 60. Jahrestag der Landung in der Normandie am 6. Juni 2004 geschaffen und sollte vorerst nur temporär hier stehen. Seit Mai 2023 gibt es in Michigan in den USA einen Zwilling mit dem Namen «Les Braves II: At Water’s Edge», um die Verbindung zwischen den USA und Frankreich zu ehren.

Tag 4 – Normandy American Cemetery
Nur wenige Minuten vom Omaha Beach entfernt, oben auf den Klippen, liegt der Normandy American Cemetery, zu dem wir als Nächstes fuhren. Die Anlage umfasst rund 49 Hektar. Auf dem perfekt gepflegten Rasen stehen 9’389 Grabsteine in präziser Symmetrie.
Leider war die Grünfläche am Tag unseres Besuches gesperrt, sodass wir keine Details der Gräber sehen konnten. Sonst wären wir hier auf einige Namen gestossen, die man aus Hollywood zu kennen glaubt. So liegen hier zwei der vier Niland-Brüder nebeneinander begraben. Ihre tragische Familiengeschichte diente als Vorbild für Steven Spielbergs Film «Der Soldat James Ryan». Während im Film eine Rettungsmission gestartet wird, zeigt die Realität hier in Colleville die ganze Härte des Krieges. Edward Niland, ein Bomber-Pilot, kehrte von einem Einsatz in Burma nicht zurück. Daher wurde er vermisst und galt als gefallen. Nachdem Preston und Robert Niland beide innerhalb von 24 Stunden bei der Invasion in der Normandie gefallen waren, wurde der vierte und vermeintlich einzige überlebende Bruder Frederick Niland aufgrund der «Sole Survivor Policy» nach Hause geschickt. Wie sich erst später herausstellte, überlebte der verschollene Bomber-Pilot in japanischer Gefangenschaft.
Unweit der Niland-Brüder ruht ein weiterer aussergewöhnlicher Mann: Theodore Roosevelt Jr., der Sohn des ehemaligen US-Präsidenten. Mit 56 Jahren war er der älteste Soldat, der am D-Day im Einsatz war, und der einzige General, der in der ersten Welle landete. Trotz seiner Herzprobleme und bewaffnet mit einem Gehstock führte er seine Männer am Utah Beach an. Er war so hoch dekoriert wie kaum ein anderer Soldat – er besass sämtliche Tapferkeitsauszeichnungen, die sein Land für Bodentruppen zu vergeben hatte, einschliesslich der posthum verliehenen Medal of Honor. Es ist tief beeindruckend zu sehen, dass er hier Seite an Seite mit seinem Bruder Quentin begraben liegt, der bereits im Ersten Weltkrieg fiel.

Dass dieser Friedhof kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist, zeigt das Schicksal von Nathan B. Baskind. Erst im Juni 2024 wurde der jüdisch-amerikanische Panzeroffizier hier mit militärischen Ehren beigesetzt. Über 80 Jahre lang galt er als vermisst, bis seine Überreste durch DNA-Analysen identifiziert werden konnten. Sein Grab mit dem Davidstern ist das jüngste auf diesem geschichtsträchtigen Areal.
Tag 4 – Pointe du Hoc
Wir fuhren als Nächstes zur Pointe du Hoc, einer 30 Meter hohen Klippe, die am D-Day von den Alliierten eingenommen wurde. Das gesamte Gelände ist heute noch von riesigen Bombenkratern übersät und gleicht einer Mondlandschaft. Wenn man sich diese 30 Meter hohe, schwer überwindbare Felswand anschaut, fragt man sich, warum der Angriff der Amerikaner ausgerechnet hier erfolgte. Der Grund waren sechs schwere 155-mm-Artilleriegeschütze, welche die Alliierten hier vermuteten. Aufgrund ihrer erhöhten Lage hätten sie sowohl den Omaha Beach als auch den Utah Beach unter Feuer nehmen können.
Um 05:50 Uhr am D-Day begann die alliierte Flotte, darunter auch das Schlachtschiff USS Texas, mit dem Bombardement auf die Pointe du Hoc. Lieutenant Colonel James Earl Rudder, der das 2. Ranger-Bataillon kommandierte, hatte den Befehl, um 06:30 Uhr zu landen und die deutschen Stellungen auszuschalten. Doch die 225 Männer der Ranger-Kompanien D, E und F hatten mit widrigen Umständen zu kämpfen: Navigationsprobleme führten zu einer fatalen Verspätung und ein Landungsboot ging in der rauen See verloren, wobei 19 Soldaten ums Leben kamen. Statt um 06:30 Uhr landeten die Männer erst um 07:10 Uhr. Dies löste eine folgenschwere Kettenreaktion aus. Eigentlich hätte Rudders Truppe durch acht weitere Kompanien unterstützt werden sollen, doch diese Männer des 5. Ranger-Bataillons unter Lieutenant Colonel Max Ferguson Schneider warteten vergeblich auf das vereinbarte Leuchtsignal. Da sie annehmen mussten, dass die Landung gescheitert war, wichen sie auf den Omaha Beach aus, wie es für diesen Fall vorgesehen war. Rudders Männer waren somit ganz auf sich allein gestellt. Von den 225 Soldaten waren zwei Tage nach dem D-Day nur noch etwa 90 kampfbereit. Viele fielen bereits im Wasser oder beim Klettern.
Die Geschichte der Pointe du Hoc wird oft als die perfekte Heldenstory erzählt, doch vor Ort lernten wir: Fast alles, was geplant war, ging schief. Die speziellen Feuerwehrleitern versagten im starken Seegang, die nassen und schweren Kletterseile wurden von oben gekappt, es wurden Handgranaten und Steine auf die Soldaten am Fuss der Klippe geworfen, und als die Rangers unter Rudder die Bunker schliesslich stürmten, waren die gefürchteten Kanonen längst verlegt worden. Dass die Rangers die Klippen dennoch in nur 15 Minuten bezwangen, grenzt an ein Wunder – begünstigt durch Trümmerberge eingestürzter Felsen am Fusse der Wand. Diese waren vermutlich durch das schwere Bombardement der alliierten Kriegsschiffe entstanden und dienten den Soldaten nun wie eine provisorische Rampe für die ersten Meter des Aufstiegs. Trotz der herben Verluste war der Angriff ein Erfolg: Die Ranger fanden die unbewachten Kanonen einige hundert Meter entfernt im Hinterland und machten sie unbrauchbar. Damit retteten sie unzähligen Soldaten an den Landungsstränden das Leben.

Zum Abschluss unseres Rundgangs konnten wir verschiedene Bunker auch von innen besichtigen. Besonders beeindruckend war der direkte Vergleich: Während der Beobachtungsbunker vorne an der Klippenkante eine reine Gefechtsstation war, boten die weiter hinten liegenden Mannschaftsbunker einen Einblick in den Alltag der Soldaten. Auch wenn diese heute leer sind, erkennt man an den Wänden noch immer die Vorrichtungen für die Etagenbetten. Es ist eine seltsame Vorstellung, dass hier Männer auf engstem Raum lebten und schliefen, während draussen eines der gewaltigsten Bombardements der Geschichte auf sie niederging.
Tag 4 – Fahrt nach Sainte-Mère-Église
Von der Pointe du Hoc fuhren wir nach Sainte-Mère-Église. Auf dem Weg dorthin passierten wir die kleine Gemeinde Isigny-sur-Mer. Dazu hatte unser Guide eine kurze Geschichte parat, die ausnahmsweise einmal nichts mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun hatte: Die Vorfahren des weltberühmten Trickfilmzeichners und Filmproduzenten Walt Disney stammten aus Isigny-sur-Mer. Seine Vorfahren hiessen eigentlich «d’Isigny» (von Isigny), woraus im Englischen über die Jahrhunderte «Disney» wurde.
Tag 4 – Sainte-Mère-Église
In Sainte-Mère-Église waren wir dann endgültig auf den Spuren der Easy-Company. Bevor wir richtig in die Geschichte eintauchten, hatten wir aber eine Stunde Zeit fürs Mittagessen. Es gibt im Zentrum von Sainte-Mère-Église diverse gute kleine Restaurants und Souvenirshops. Ich holte mir ein weiteres Baguette mit Schinken und Emmentaler Käse. Ich glaube, ich habe mich das ganze Wochenende nur davon ernährt. Da ich nach dem Mittagessen noch Zeit hatte, besuchte ich das sehr nah gelegene Airborne Museum. Natürlich könnte man auch hier mehrere Stunden verbringen. Da es nicht zu teuer war und ich nur eine halbe Stunde Zeit hatte, entschied ich mich für einen «Speed-Besuch».
Direkt danach trafen wir uns vor der Kirche von Sainte-Mère-Église für die zweite Hälfte unserer geführten Tour. Das Wahrzeichen des Ortes ist untrennbar mit einem Namen verbunden: John Steele. Der Fallschirmjäger der 82. Luftlandedivision blieb während der Nacht zum 6. Juni mit seinem Fallschirm an einem der Ecktürme der Kirche hängen. Während unten auf dem Kirchplatz erbitterte Kämpfe tobten, hing er hilflos in der Luft und stellte sich tot, um nicht erschossen zu werden. Er überlebte und geriet kurzzeitig in Gefangenschaft, bevor er fliehen konnte. Er war tatsächlich schwerhörig für den Rest seines Lebens, weil die Kirchenglocken direkt neben seinem Kopf die ganze Nacht hindurch läuteten. Wer heute vor der Kirche steht, sieht dort immer noch eine lebensgrosse Nachbildung John Steeles an den Leinen seines Fallschirms hängen – ein ewiges Denkmal für diesen Moment. Ein interessantes Detail, das unser Guide uns verriet: Die Installation hängt heute auf der «falschen» Seite des Turms, nämlich zum Platz hin. In der Realität blieb Steele auf der gegenüberliegenden Seite hängen, doch für die Touristen und Besucher ist das Denkmal an der heutigen Position schlicht besser sichtbar. John Steeles Schicksal wird im Film «Der längste Tag» thematisiert.

In der Absprungnacht am D-Day tobte in Sainte-Mère-Église bereits um kurz nach Mitternacht aus ungeklärter Ursache ein Feuer dort, wo heute das Airborne Museum steht. Dies führte dazu, dass die Bevölkerung von Saint-Mère-Eglise nicht in ihren Betten lag, sondern sich auf dem Kirchplatz versammelte, um das Feuer zu bekämpfen. Einige Fallschirmjäger landeten direkt in den Flammen oder wurden durch deutsche Soldaten beschossen, die durch das Feuer alarmiert waren. Der Nachthimmel war durch das Feuer ausserdem hell erleuchtet, sodass die Fallschirmjäger leichte Ziele abgaben.
Nach den Ausführungen unseres Guides besuchten wir das Innere der Kirche, die berühmt für ihre Buntglasfenster ist. In einem der Fenster sind Fallschirmjäger neben der Jungfrau Maria abgebildet – ein direktes Dankeschön der Bewohner an ihre Befreier, das die tiefe Verbindung zwischen dem Dorf und den US-Soldaten bis heute zeigt.

Tag 4 – Auf den Spuren der Easy Company
Anschliessend verliessen wir Sainte-Mère-Église in östlicher Richtung auf der «Route de Saint-Martin». Dieser Weg führte uns tiefer in das Herz der Geschichte der Easy Company. Sainte-Mère-Église war eigentlich das primäre Absprunggebiet der 82. Luftlandedivision. Allerdings herrschte in der Nacht zum 6. Juni durch starken Wind und Flakbeschuss ein solches Chaos am Himmel, dass sich viele Soldaten der 101. Luftlandedivision – darunter auch Männer der Easy Company – hierher verirrten.
Unser Guide erklärte uns auf der «Route de Saint-Martin», dass wir uns nun an dem Ort befanden, den man aus der zweiten Episode von «Band of Brothers» kennt. Hier sammelte der damalige Lieutenant Dick Winters seine ersten versprengten Männer im Schutz der Dunkelheit ein. Einer von ihnen war John Halls, der sich Winters anschloss, da er seine eigene Einheit nicht finden konnte. Ein trauriger Vorgriff auf die spätere Geschichte: Halls sollte noch am selben Tag während des Angriffs auf die Geschütze von Brécourt Manor fallen – ein Verlust, der Winters sichtlich zusetzte.
Als wir die Kreuzung an der Strasse «Saint-Thomas» erreichten, erklärte unser Guide weiter, dass sich hier in der Nähe der Zwischenfall mit einem deutschen Versorgungspferdewagen ereignete. Winters gab den Befehl, das Feuer erst auf sein Signal hin zu eröffnen, um die Deutschen zu überwältigen. Doch Bill Guarnere konnte sich nicht zurückhalten. Voller Adrenalin und Schmerz über die Nachricht vom Tod seines Bruders, der kurz zuvor bei Kämpfen in Italien gefallen war, eröffnete er eigenmächtig das Feuer und mähte die deutschen Soldaten nieder. Dieser Moment zementierte seinen Spitznamen «Wild Bill».
Die Easy Company, die zum Zeitpunkt des Absprungs eigentlich eine Stärke von 140 Männern haben sollte, schrumpfte am Morgen des D-Day zunächst auf eine kleine Gruppe von kaum mehr als einem Dutzend Soldaten zusammen.
Tag 4 – Memorial D-Day Currahee 101 division aéroportée
Unser nächster kurzer Stopp war in Beuzeville-au-Plain. Ein Denkmal in der Form eines Seitenleitwerks einer Douglas C-47 markiert die Absturzstelle von First Lieutenant Thomas Meehan III. Er war der Kommandeur der Easy Company und hatte den Posten erst übernommen, nachdem in England mehrere Unteroffiziere – darunter Bill Guarnere und Carwood Lipton – gegen den ursprünglichen Captain Herbert Sobel gemeutert hatten.
Meehans Flugzeug wurde von der Flak getroffen und explodierte beim Aufprall nahe Beuzeville-au-Plain. Alle 22 Insassen starben. Durch diesen tragischen Verlust lag die Führung der Easy Company am Morgen des D-Day plötzlich in den Händen von Dick Winters. Wenn man vor diesem Denkmal steht, begreift man erst richtig, unter welchem enormen Druck Winters gestanden haben muss, als er mit einer auf wenige Männer zusammengeschrumpften Truppe seinen ersten grossen Auftrag annehmen musste.
Tag 4 – Marmion’s Farm
Ein ganz besonderes Privileg unserer Tour war der exklusive Zugang zu Marmion’s Farm in Ravenoville. Hier sammelten sich am Morgen des D-Day versprengte Fallschirmjäger der 82. und 101. Luftlandedivision. Obwohl sie in starker Unterzahl waren, griffen sie den von Deutschen besetzten Hof so entschlossen an, dass die Verteidiger kapitulierten. Genau hier entstand das ikonische Foto der Soldaten mit einer eroberten Nazi-Flagge – ein Bild, das wir vor der historischen Kulisse mit einer Flagge der 101st Airborne nachstellen konnten.

Unser Guide erzählte uns dabei die kuriose Geschichte von Forrest Guth. Er betonte, dass er ein echter «Toccoa-Mann» war. Er gehörte also zur ursprünglichen Gruppe, die das gnadenlose Training am Mount Currahee absolviert hatte. Diese Männer bildeten das Rückgrat der Easy Company. Guth war ein begnadeter Tüftler und Fotograf, der ständig seine Kamera dabei hatte und heute als inoffizieller Chronist der Einheit gilt. Doch in der Serie «Band of Brothers» taucht er nur zu Beginn der achten Episode ganz kurz auf. Der Grund? Sein Name! Die Produzenten befürchteten wohl, dass der Name zu sehr an «Forrest Gump» erinnern und die Zuschauer ablenken könnte. Im Buch von Stephen E. Ambrose nimmt er hingegen seinen verdienten Platz in der Geschichte ein.
Tag 4 – Easy Company Memorial
Ganz in der Nähe der Felder von Brécourt Manor steht das Easy Company Memorial. Es ist eine steinerne Tafel, die die Namen jener Soldaten trägt, die am D-Day fielen. 17 der 25 Namen gehörten zu den Männern, die beim Absturz von Meehans C-47 ums Leben kamen:
William S. Evans
William T. McConigal Jr.
Thomas Meehan
Sergio G. Moya
Elmer L. Murray Jr.
Ernest L. Oats
Richard E. Owen
Murray B. Roberts
Gerald R. Snider
Jerry A. Wentzel
Ralph H. Wimer
George L. Elliott
Herman F. Collins
John N. Miller
Carl N. Riggs
Elmer L. Telstad
Thomas W. Warren
Die Tafel enthält weitere acht Namen von Soldaten, die am D-Day gefallen sind:
Joseph M. Jordan
Robert L. Mathews
William S. Metzler
Benjamin J. Stoney
George Lavenson
Robert J. Bloser
Everett J. Gray
Terrence C. Harris
Beim genaueren Studium der Namen auf dem Memorial fällt auf, dass es tatsächlich nur eine Liste der Gefallenen der Easy Company ist. Fünf weitere Besatzungsmitglieder in Meehans Flugzeug, die zur Air Force gehörten, fehlen. Auch der Name John Halls erscheint nicht auf dem Memorial. Er starb unter der Führung von Winters während des Angriffs auf Brécourt Manor, gehörte aber offiziell einer anderen Kompanie an.
Tag 4 – Brécourt Manor
Der Angriff auf Brécourt Manor gilt heute als Lehrbeispiel für den Kampf gegen eine überlegene Stellung. Winters und sein kleiner Trupp von nur etwa 13 Männern standen einer deutschen Einheit von rund 60 Soldaten gegenüber. Das Ziel der vier deutschen 105-mm-Haubitzen war der Exit 2 am Utah Beach – sie hätten den gesamten Vormarsch der US-Truppen vom Strand ins Landesinnere blockieren können.
Mit einer Mischung aus Schnelligkeit, Mut und taktischer Präzision schalteten Männer wie Bill Guarnere, Buck Compton und Carwood Lipton ein Geschütz nach dem anderen aus. Für diesen Erfolg wurde Richard Winters für die Medal of Honor vorgeschlagen. Dass er letztlich «nur» das Distinguished Service Cross erhielt, lag an einer bürokratischen Quote: Da bereits ein anderer Soldat der Division die höchste Auszeichnung erhalten hatte, blieb Winters die Medal of Honor verwehrt. Es bleibt eine der grossen Ungerechtigkeiten der Militärgeschichte. Die Quote der Division sah nur eine Auszeichnung vor, und diese ging später an Colonel Robert Cole für dessen Bajonett-Angriff bei Carentan am 11. Juni. Insgesamt wurden für den Einsatz am Brécourt Manor zahlreiche weitere Tapferkeitsmedaillen wie der Silver Star und der Bronze Star verliehen, was die Bedeutung dieses kleinen, aber entscheidenden Gefechts unterstreicht.
| Name | Auszeichnung |
| Richard «Dick» Winters | Distinguished Service Cross |
| Lynn «Buck» Compton | Silver Star |
| William «Wild Bill» Guarnere | Silver Star |
| Gerald Lorraine | Silver Star |
| Carwood Lipton | Bronze Star |
| Robert «Popeye» Wynn | Bronze Star |
| Cleveland Petty | Bronze Star |
| Walter Hendrix | Bronze Star |
| Donald Malarkey | Bronze Star |
| Myron Ranney | Bronze Star |
| Joseph Liebgott | Bronze Star |
| John Plesha | Bronze Star |
| Joe Toye | Bronze Star |
| John Halls | Bronze Star und Purple Heart |
| Julius «Rusty» Houck | Bronze Star und Purple Heart |
| Robert «Popeye» Wynn | Purple Heart |
Tag 4 – Major Richard Winters Memorial
Wir machten jetzt einen kurzen Stopp am «Major Richard Winters Memorial» in der Nähe von Brécourt Manor. Dick Winters war zeitlebens extrem bescheiden. Wenn er nach seinem Heldenstatus gefragt wurde, zitierte er oft seinen Freund Mike Ranney: «I’m not a hero, but I served in a company of heroes.» Diesen Satz sagte er auch am Ende der letzten Episode von «Band of Brothers». Winters weigerte sich jahrelang, einem Denkmal zuzustimmen, das nur ihn allein zeigt. Er wollte nicht aus der Gruppe seiner Männer herausgehoben werden. Es gab also einen Kompromiss: Das Denkmal wurde erst am 6. Juni 2012 eingeweiht, etwa anderthalb Jahre nach seinem Tod im Januar 2011. Es zeigt ihn zwar in seiner typischen Pose mit dem M1 Garand im Vorwärtssturm, aber die Inschrift des Monuments ist allen Unteroffizieren gewidmet, die am D-Day führten. Es ist ein Leadership-Memorial:
Major Richard D. Winters – 1918–2011 – Dedicated on June 6, 2012, by the World War II Foundation, along with our French allies from the Utah Beach Museum and with the support of the grateful citizens of the village Sainte-Marie-du-Mont. In honor of Dick Winters and all those American junior officers who led the way on D-Day, June 6, 1944. May we never forget their leadership under fire.

Tag 4 – Angoville au Plain
Nach den Schauplätzen der Easy Company führte uns der Weg nach Angoville-au-Plain. Am Place Toccoa wird an die harte Ausbildung der Fallschirmjäger erinnert, doch das Herzstück dieses Ortes ist die kleine Kirche Saint-Côme et Saint-Damien.
Hier spielten sich während der Invasion Szenen ab, die zeigen, dass Menschlichkeit selbst im Krieg existieren kann. Die beiden Sanitäter Robert Wright und Kenneth Moore versorgten in der Kirche ab dem D-Day während 72 Stunden über 80 Verwundete – US-Soldaten, Einheimische und auch deutsche Soldaten. Die einzige Bedingung war: Waffen müssen draussen bleiben. Nur mit einem roten Kreuz an der Tür arbeiteten sie alleine. Das Dorf war umkämpft, und als ein deutscher Offizier in die Kirche stürmte, sah er, dass hier auch deutsche Verwundete behandelt werden, und hielt seine Männer zurück.
Ich erinnere mich an ein Detail, das unser Guide erwähnte: Die am stärksten Verwundeten wurden im Gang in der Mitte platziert, damit die Sanitäter schnelleren Zugang zu ihnen hatten. Wenn man heute in der Kirche steht und die dunklen Flecken auf den hölzernen Kirchenbänken sieht, wird einem schlagartig bewusst, dass dies keine Szene aus einer Serie ist. Es ist echtes Blut, das hier vor Jahrzehnten vergossen wurde.
Die Menschlichkeit der beiden Sanitäter hinterliess Spuren, die weit über das Kriegsende hinausreichten: Robert Wright kehrte Jahrzehnte später oft hierher zurück und traf dabei sogar auf ehemalige Soldaten, denen er in jenen 72 Stunden in der Kirche das Leben gerettet hatte.
Tag 4 – Carentan
Unser letzter Stopp führte uns nach Carentan. Schon bei der Einfahrt sahen wir das Purple Heart Lane Memorial. Der Name rührt von den mörderischen Kämpfen auf dem Causeway her, bei denen die US-Paratrooper über offenes Marschland gegen die Stadt vorrücken mussten. Die US-Fallschirmjäger mussten über vier Brücken unter ständigem Feuer der deutschen Fallschirmjäger vorrücken. Es gab kaum Deckung. So viele Männer wurden dort verwundet oder getötet, dass die Strasse diesen traurigen Spitznamen erhielt.
Hier in der Nähe vollbrachte Colonel Robert Cole jene Tat, die ihm die Medal of Honor einbrachte und damit – aufgrund einer bürokratischen Quote – verhinderte, dass Dick Winters dieselbe Auszeichnung erhielt. Am 11. Juni 1944 sass Coles Bataillon an der letzten Brücke vor Carentan fest. Da ihnen die Munition ausging und der Beschuss zu heftig war, befahl Cole einen verzweifelten Bajonett-Angriff über offenes Feld. Er rannte mit seinen Männern direkt in die deutschen Stellungen, wobei viele zuerst zögerten. Dieser Bajonettsturm galt als so aussergewöhnlich heroisch, dass Cole die Medal of Honor erhielt. Da er jedoch kurz darauf im September 1944 in Holland von einem Scharfschützen getötet wurde, wurde sie ihm posthum verliehen.
Wir fuhren weiter in den Südwesten von Carentan, um auf der Route in die Stadt hineinzufahren, welche die Easy Company am Morgen des 12. Juni 1944 nahm. In der Stadt selbst fuhren wir auf der Route d’Auvers Richtung Café du Stade. Fans der Serie Band of Brothers wissen sofort, dass die Easy Company hier unter schweres MG-Feuer geriet. Winters, der normalerweise für seine stoische Ruhe bekannt war, musste hier alles aufbieten, um seine Männer aus ihrer Schockstarre zu reissen. Er rannte ungeschützt auf die Strasse und trieb sie mit einer für ihn völlig ungewohnten, lautstarken Aggressivität voran, um sie aus der tödlichen Schusslinie zu bringen.
Zum Schluss will ich noch ein wichtiges Detail klären: Die Geschichte von Albert Blithe. Im Buch wie auch in der Serie wird erzählt, er sei 1948 an den Folgen seiner Verwundung bei Carentan gestorben. In Wahrheit blieb Blithe jedoch Berufssoldat, diente später im Koreakrieg und verstarb erst 1967. Es ist eine Erinnerung daran, dass selbst die besten filmischen Umsetzungen manchmal der historischen Korrektur bedürfen. Blithe wurde auch nicht in den Hals getroffen, wie in der Serie gezeigt, sondern in die Schulter. Dieser Fehler passierte wohl, weil Stephen E. Ambrose, Autor von «Band of Brothers», sich auf die Aussagen der Überlebenden verlassen musste. Weil diese Albert Blithe nach dem Krieg aus den Augen verloren, entstand wahrscheinlich dieses Missverständnis. Albert Blithes Familie war über die Darstellung in der Serie sehr erstaunt.
Heimreise
Tag 5 – Fahrt von Bayeux nach Sargans
Am heutigen Sonntag stand eine lange Fahrt nach Hause auf dem Programm. Ich checkte am Morgen aus dem Hotel aus und lief zum Bahnhof von Bayeux. Um 07:48 Uhr fuhr ich mit dem Zug «NOMAD 3304» die kurze Strecke bis nach Caen, wo ich um 08:03 Uhr ankam. Von Caen fuhr ich mit dem Flixbus um 08:45 Uhr nach Paris Pershing – Porte Maillot. Dort kam ich um 11:30 Uhr an. Von Porte Maillot fuhr ich mit der Metrolinie 1 zum Bahnhof Gare de Lyon.
Nach einem Mittagessen fuhr ich um 14:22 Uhr mit dem TGV weiter nach Basel SBB, wo ich um 17:21 Uhr ankam. Nach Zürich fuhr ich dann mit dem IR 36. Aufgrund von geplanten Bauarbeiten und einer Streckensperrung zwischen Lachen und Pfäffikon SZ wurde der IC 3 nach Sargans dann noch über Rapperswil und Uznach umgeleitet, sodass meine ohnehin schon lange Rückfahrt noch ein wenig länger wurde. Ich war um 20:32 Uhr in Sargans, nach einer Reisezeit von fast 13 Stunden.
Mehr Bilder zu diesem Beitrag gibt es in meinem Flickr-Profil im Album: Normandie – Mont-Saint-Michel und D-Day-Landungsstrände (April 2026).